Branche
AI Minute Newsroom
2026-08-27
Der Marktplatz, der Maschinen das Sehen beibrachte, schließt: Amazon schaltet Mechanical Turk nach 21 Jahren am 30. September ab
Amazon hat diese Woche bestätigt, dass Mechanical Turk am 30. September 2026 schließt, nachdem Ende Juli bereits keine neuen Kunden mehr angenommen wurden. Die Entscheidung folge auf eine interne Prüfung der eigenen Programme und Dienste. MTurk startete 2005 als Ort, um Human Intelligence Tasks auszuschreiben: kleine Aufgaben, die ein Computer damals nicht konnte, für wenige Cent — ein Bild beschriften, einen Clip transkribieren, an einer Umfrage teilnehmen. In der Spitze waren mehr als 500.000 Arbeitende registriert. Fast alle frühen Datensätze für Computer Vision und Sprache liefen über solche Arbeit, und eine ganze Generation von Sozialwissenschaft führte hier ihre Experimente durch, weil die Stichprobe billig und sofort verfügbar war. Der Markt ist nicht verschwunden, er ist umgezogen — nach oben. Datenarbeit für Spitzenmodelle ist heute das Geschäft von Scale AI, Mercor und Prolific, die engere, besser bezahlte und oft formal qualifizierte Beitragende anwerben: Ärztinnen, Anwälte, Wettbewerbsprogrammierer. Denn das, was Modelle noch immer nicht können, hat sich verändert.
Warum es wichtig istBezos nannte MTurk 'künstliche künstliche Intelligenz': Menschen, die still erledigen, was Software nicht schafft, versteckt hinter einer API. Einundzwanzig Jahre später ist die API echt, und die Menschen dahinter werden nicht entfernt, sondern neu verhandelt. Das ist die ehrliche Fassung der Automatisierungsgeschichte — kein verschwindender Job, sondern sein Preis, seine Qualifikationsschwelle und seine Verhandlungsmacht, die sich zugleich verschieben. Sehenswert ist auch, was mit schließt: eine öffentliche Infrastruktur, mit der jede Forscherin mit kleinem Budget an einem Nachmittag tausend Fremde erreichen konnte. Die Nachfolger sind private, kuratierte Marktplätze mit Vertriebsteams — für alle, die kein Spitzenlabor sind, etwas völlig anderes.
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